Wie wir den Zoll überlisten wollten

Um aus dem Stadtstaat Singapur nach Malaysia zu gelangen, bietet sich der Landweg via Bustransfer an. Theoretisch geht es mit dem Bus ab Singapur Queen Street zum Ausreise-Terminal Woodlands, dort steigt man aus, geht zu Fuß durch die Passkontrolle und holt sich seinen Ausreisestempel ab. Dann besteigt man den Bus und fährt weiter über eine ca. 2 km lange Brücke zum Einreise-Terminal auf malaysischer Seite, wo man wieder zu Fuß durch die Einreise marschiert und sich sein malayisches Visum abholt. Anschließend besteigt man wieder den Bus und fährt weiter nach Johor Bahur zum Larkin Busbahnhof, um von dort in alle Richtungen Malaysias aufzubrechen. Soweit die Theorie.

Offenbar haben die Asiaten einen anderen Orientierungssinn und so schickte man durch das gezielte(?) Falschanbringen von Richtungspfeilen vier Europäer auf einen abenteuerlichen Trip ins Grenzgebiet zwischen Singapur und Malaysia. Und das ging so:

Nach erfolgreicher Ausreise aus Singapur folgten wir bei der Suche nach dem wartenden Bus den zahlreich angebrachten Richtungspfeilen. Diese zeigten uni sono geradewegs aus dem Terminal, durch ein Drehkreuz, dass wir nur in eine Richtung durchlaufen konnten. Besonders in Gebäuden der Grenzsicherung folgen wir den offiziellen Vorgaben und Ansagen des Personals penibel. Also passierten wir das Drehkreuz, von zwei Grenzpolizisten beobachtet. Wenig später fanden wir uns, immer noch von Richtungspfeilen geführt, auf der Brücke im Niemandsland zwischen Singapur und Malaysia wieder. Mitten auf der Brücke, in glühendheißer Mittagssonne, wechselte die Beschriftung plötzlich in „Fußgänger verboten“. So standen wir mit Ausreisestempel Singapurs und ohne Einreisestempel Malaysias im Niemandsland wieder.

Da uns der Weg zurück zum Ausreiseterminal dank des Drehkreuzes verwehrt blieb, hatten wir keine andere Wahl, als erneut in Singapur einzureisen.

Die Beamtin am Einreiseschalter konnte sich vor Lachen kaum halten, als wir ihr bei unserem erneuten Einreiseversuch erklärten, wo wir herkommen. Nachdem alle Kolleginnen und Kollegen lautstark über unseren Irrlauf in Kenntnis gesetzt und unsere Pässe eingesammelt wurden, geleitete uns eine Beamtin in einen Raum, der als Schleuse fungierte. Dort wurden wir von einem ernst dreinblickenden Beamten deutlich aufgefordert, nicht noch einmal zu versuchen, nach Malaysia zu laufen! Anschließend händigte er unsere Pässe aus und wir durften – ohne erneute Ein- und Ausreise – zum Bus laufen. Dieser wartete in exakt entgegen gesetzter Richtung der angebrachten Richtungspfeilen.

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Henning Groß Verfasst von:

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