Auf Einladung von: MuV & Hendrik

Im Grunde sind wir eigentlich froh, dass unserem Aufruf „Wer will uns vergiften“ nicht so viele Leser gefolgt sind. Wir hätten uns ja sonst Sorgen über unsere Beliebtheit bei Euch machen müssen. So aber konnten wir ganz entspannt und frei von Hintergedanken eines der Gourmet-Highlights Japans erleben. Mit uns an der Theke saßen MuV und Hendrik, denen wir ganz herzlich für die Ermöglichung dieses einmaligen Abenteuers danken!!!

Wir haben uns von Osaka aus aufgemacht, an den Ort zu fahren, der dem Essen seinen Namen gab. Nur dort gibt es das Original. Wir waren in Kobe.

In der Präfektur Tajima, in der auch Kobe liegt, leben die weltbekannten Wagyu-Rinder. Diese leben lange, trinken nur frisches Wasser, fressen das beste Futter und führen ein rundum glückliches Leben. Manche Besitzer verabreichen den Vierbeinern sogar Massagen. Nach ihrem Ableben wird ihr Fleisch einer sehr strengen Qualitätskontrolle unterzogen. Hatte das Rind ein besonders gutes Leben und waren seine Gene ebenso makellos, bekommt sein Fleisch das weltweit bekannte Qualitätslabel „Kobe-Rind“ verpasst. Unterteilt wird die Fleischqualität mit der BMS, der „Beef Marbeling Score“, also die Fleisch-Marmorierungs-Skala. Von 1 bis 12 – wobei 12 die Spitzenklasse ist – wird die Durchsetzung des Fleisches mit Fett bewertet. Mit der steigenden BMS steigt auch der Preis für das Fleisch rapide an.

Nur ausgewählte Restaurants servieren eines der teuersten Stücke Fleisch. In Kobe hat das Wakkoqu einen ausgezeichneten Ruf, dem wir zur Mittagszeit gefolgt sind. Warum Mittags? Weil das Essen dann nur halb soviel wie am Abend kostet.

kobe_restaurant_aussen

kobe_restaurant_innen

Wir nahmen am Tresen Platz. Somit hatten wir den Blick frei auf die Künste des Kochs, der unsere gesamte Mahlzeit auf der heißen Edelstahlplatte vor uns zubereitete.
Hier die Menüfolge:

  • Getränke: Cabernet Sauvignon, Wasser, Grüner Tee
  • Vorspeise: gewürzte Kartoffel-Milchsuppe mit Cornflakes
  • Zwischenspeise: bunter Salatteller
  • Hauptspeise 1: 75g Kobe-Beef, BMS 8
  • Zwischenspeise 1: gebratenes Gemüse (Knoblauch, Kartoffel, Möhren, Aubergine, Tofu, Paprika) mit Reis
  • Hauptspeise 2: 75 g Kobe-Beef (siehe oben)
  • Zwischenspeise 2: Sprossen mit dem gebratenen Speck des Steaks
  • Nachspeise: Grapefruit-Sorbet
  • Absacker: Kaffee

Erstes Highlight – abgesehen von dem sehr freundlichen Empfang beim Namen (man kannte unser bereits von der telefonischen Reservierung) – war die Kartoffel-Milch-Suppe mit Flakes. Im ersten Moment dachten wir, unser zweites Frühstück vor der Nase zu haben. Dank dezentem Gewürzeinsatzes entfaltete sich nach und nach ein mild-würziges Aroma. Der folgende Salat brachte unsere Geschmacksnerven dann aber doch in Richtung „herzhaft“.

Unser Koch machte sich dann auf, das 300g Filet zu zerlegen. Mit hyperscharfem Messer trennte er das Stück in zwei Portionen und entfernte einen Teil des Fettrandes – der später für ein weites Highlight sorgte. Dann ging´s an´s Braten auf der Edelstahlplatte. Das folgende Video dokumentiert die Verwandlung vom Fleischstück zum besten Rinder-Steak der Welt:

Wir hatten die Wahl, das Fleisch in japanischem Essig, Soja-Sauce, Senf, mit Salz oder Pfeffer zu genießen. Tipp vom Koch: nur Salz.
Anschließend wurde das Gemüse angebraten und uns als Zwischenmalzeit gereicht – quasi als Geschmacksneutralisator.

kobe_beef03

Nachdem auch die zweite Hälfte des Steaks liebevoll angebraten wurde (medium), brutzelte der Koch frische Bambussprossen zusammen mit dem Speck des Steaks. Heraus kam dabei eine beeindrucken essbare Kombi. Selbst der sonst von uns verschmähte Speck schmeckte vorzüglich.

kobe_fleisch

Wie hat das Fleisch geschmeckt?
UN!GLAUB!LICH! Das Fleisch war von einem anderen Planeten. Kennen wir Rindfleisch meist nur als etwas bissresistentes, kurzgebratenes Steak oder als trocken-faseriger Gulaschbestandteil, hatte das Kobe-Fleisch nicht, aber auch gar nichts mit dem BSE-Fleisch zu tun, dass wir kennen. Da das rosige Fleisch nahezu gleichmäßig von hauchdünnem Fett durchzogen ist, wird es nur extrem kurz angebraten und geschmeckt dadurch zart, weich, saftig und sehr ausgeglichen. Wir kauten nicht auf trockenem Fleischlappen herum und hatten keine Fettstücken im Mund. Wir würden sogar soweit gehen, zu behaupten, das Fleisch hatte was von zartem Schmelz, wie man ihn nur von Schokolade kennt. Es war das beste Stück Rindfleisch, was je unsere Geschmackrezeptoren gekitzelt hat und es wird wohl das letzte vernünftige Rindsteilchen gewesen sein, was wir in unserem Leben verspeist haben.

Und nun? Pleite?
Dank der Einladungen von MuV und Hendrik sind wir auch nach dem Zahlen der Zeche noch in der Lage, unsere Reise fortzusetzen. Das beeindruckende Essen Personen hat unser Budget um ebenso beeindruckende 115,- Euro erleichtert. Aber wie schon gesagt, Mittag kostet das Essen ja nur die Hälfte!

Jetzt macht Euch auf den Weg, um Kobe-Rind zu probieren. Aber glaubt nicht, dass wir Euch die Flugkosten nach Japan spendieren, denn, ob ihr wollt oder nicht, echtes Kobe-Beef gibt es nur in und um Kobe.. Zwar gibt es einige Züchter, die die Wagyu-Rinder auch außerhalb Japans züchten, aber ein echtes Kobe-Steak wird es halt nur in Kobe geben.

Domo arigato gonsaimas MuV & Hendrik!!!

Hier noch einige Impressionen unserer Rinder-Zeremonie:

unser persönlicher Koch
unser persönlicher Koch
kobe_fleisch_gemuese

Fleisch vs. Gemüse

kobe_kartoffelsuppe

Kartoffelsuppe
kobe_salat

Salat
kobe_eis-kaffee

Sorbet

andere Abenteuer

Henning Groß Verfasst von:

2 Kommentare

  1. Hendrik
    26. Oktober 2010
    Antworten

    mmmmmh und ich habe den Geschmack jetzt noch (besser schon) auf der Zunge. Wie lang dauert der Flug, schaffe ich es noch bis zum Abendessen 😉

    LG Hendrik

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